Großer Streik bei der Post: Hunderttausende Briefe und Pakete bleiben liegen

Zahlreiche Deutsche müssen derzeit etwas länger auf Briefe und Pakete warten. Denn die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der Deutschen Post zu Warnstreiks aufgerufen. Vor allem Hamburg, NRW und Bayern sind aktuell von den Streiks betroffen.

Die Warnstreiks, mit denen Druck auf die Arbeitgeberseite ausgeübt werden soll, erstrecken sich demnach über komplette Schichten. Beide Seiten hatten zuletzt am Donnerstag und Freitag vergangener Woche verhandelt. Dabei habe die Gewerkschaftsseite den Eindruck gewonnen, dass die Post „ihre Beschäftigten mit einer Entgelterhöhung von nur 1,5 Prozent für zwölf Monate abspeisen will“, erklärte Verdi-Vize Andrea Kocsis. Das sei eine „Provokation“.

Kocsis betonte, die Post gehörte „zu den Gewinnern der Corona-Krise“. Der Konzern müsse deshalb „auch selbst zur Stärkung der Binnennachfrage beitragen“. Dazu gehörten „ordentliche“ Lohnerhöhungen. Die Beschäftigten von DHL und Post müssten für ihre „herausfordernde und zuverlässige Arbeitsleistung auch in Coronazeiten mit einer ordentlichen nachhaltigen Lohnerhöhung“ wertgeschätzt werden, so Kocsis weiter.

Streik bei der Post nun auch in Hamburg

Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten des Briefzentrums in Hamburg-Altona am Donnerstag erneut zu gezielten Warnstreiks aufgerufen. Damit könnten nach Verdi-Angaben in Hamburg bis zu 16.000 Pakete nicht zugestellt werden, wie die Gewerkschaft am Donnerstag mitteilte.

Davon seien rund 400.000 Haushalte und Firmenkunden betroffen. Die Beschäftigten sollten ab 7.30 Uhr ihre Arbeit niederlegen. Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen für die rund 140.000 Tarifbeschäftigten der Deutschen Post AG bundesweit.

Verdi fordert eine lineare Erhöhung der Löhne und Gehälter um 5,5 Prozent sowie weitere Verbesserungen. „In zwei Verhandlungsrunden hat die DP AG bislang kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt. Und das, obwohl die DP AG nach eigenen Angaben trotz Corona-Krise ihren Gewinn im Bereich Post und Paket um knapp 50 Prozent steigern konnte – dank der Postbeschäftigten. Es ist mehr als fair, dass die Beschäftigten, die zu diesem Gewinn beigetragen haben, ihren Anteil erhalten», sagte Verdi-Fachbereichsleiter Lars-Uwe Rieck laut Mitteilung dazu.

Stillstand bei der Post: Bayern drohen weitere Warnstreiks

Der Tarifkonflikt bei der Post führte am Mittwoch auch in Bayern zu Warnstreiks. So war das Briefzentrum in München betroffen, in dem laut Gewerkschaft Verdi jeden Tag rund eine Million Briefe bearbeitet werden. Die Gewerkschaft ging von rund 350 Streikenden im Tagesverlauf aus. In den folgenden Tagen sollen dann alleine in Bayern weitere Warnstreiks an rund 80 Standorten mit mehreren Tausend Beteiligten folgen.

Warnstreik: Folgen für Kunden bislang noch überschaubar

Die Post stufte die Auswirkungen des Streiks am Mittag als „überschaubar“ ein. Bisher seien keinen größeren Folgen für die Kunden oder die Beförderung von Briefen und Paketen zu erwarten, sagte ein Sprecher. In den stärker betroffenen Regionen würden Sendungen am Folgetag zugestellt. Bundesweit ging die Post bis zum Mittwochmittag von 8000 Paketen und 265.000 Briefen aus, die betroffen seien.

Sorgen um Briefwahl in NRW vor Kommunalwahl

Gerade für Nordrhein-Westfalen kommt der Warnstreik bei der Post zur Unzeit. Vier Tage vor der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen hat der Warnstreik bei der Post Sorgen um die rechtzeitige Rücksendung von Briefwahlunterlagen ausgelöst.

Der Streik könne zu massiven Problemen bei der Briefwahl führen, warnte die Stadt Wuppertal am Mittwoch. Die Post sei bislang nicht in der Lage, verlässliche Aussagen über die Zustellung der Unterlagen in dieser Woche zu machen. Dagegen betonte ein Unternehmenssprecher, die Post gehe davon aus, dass es zu keinen Beeinträchtigungen bei der Beförderung der Briefwahlunterlagen kommen werde.

In Nordrhein-Westfalen werden am Sonntag die Kommunalparlamente, Bürgermeister und Landräte neu gewählt. „Dieser Warnstreik kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt und beeinträchtigt in erheblichem Umfang die Briefwahl“, sagte der Wuppertaler Wahlleiter Johannes Slawik. Wer jetzt noch keine Briefwahlunterlagen erhalten habe, könne nicht sicher sein, diese noch rechtzeitig zu bekommen. Betroffene sollten deshalb die Sofortwahl im Rathaus nutzen.

Verdi und Deutsche Post verhandeln am 21. September wieder

Verdi fordert für die rund 140.000 Tarifbeschäftigten eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem sollen die Ausbildungsvergütungen für jedes Ausbildungsjahr monatlich um 90 Euro erhöht werden. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 21. und 22. September geplant.

Quelle: Focus

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