Bahn und Lokführergewerkschaft: Es riecht nach Streik

Es geht um Geld und Einfluss: Die Lokomotivführergewerkschaft geht auf Konfrontationskurs zur Deutschen Bahn. Die GDL will 4,8 Prozent mehr Entgelt und eine Corona-Einmalzahlung von 1300 Euro. „Horrende Forderungen“, wie die DB findet. GDL-Chef Claus Weselsky wiederum wirft der Führungsriege des Staatskonzerns vor, „im Schampus“ zu baden.

Deutschland könnte schon bald ein neuer Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL drohen. Ende Februar endete für die GDL die Friedenspflicht. Inzwischen hat ihr streitbarer Vorsitzender Claus Weselsky, der 2014 und 2015 mit insgesamt neun Streiks den Zugverkehr auch in der Region lahmlegte, auch die Forderungen auf den Tisch gelegt.

Die Gewerkschaft mit rund 35.000 Mitgliedern will für das gesamte direkte Personal einen Eisenbahn-Flächentarifvertrag (EFTV) abschließen. Rückwirkend zum ersten März soll es eine Entgelterhöhung von 4,8 Prozent und eine Corona-Prämie von 1300 Euro geben.

Streit um Einfluss

Und das eben nicht nur für Lokführer und Zugbegleiter, sondern beispielsweise auch für das Personal in der Fahrzeug- oder Fahrwegeinstandhaltung oder bei DB Sicherheit. Dazu sollen Zulagen etwa für Beschäftigte in Ballungsräumen mit hohen Lebenshaltungskosten oder auch Arbeitszeitreduzierungen für das Sicherheitspersonal kommen.

Erst wenn die DB die Anwendung eines solchen eigenen Tarifvertrags zusichert, will die GDL überhaupt in inhaltliche Verhandlungen einsteigen.

Kampfansage an die EVG

Das ist vor allem auch eine Kampfansage an die mit über 180.000 Mitglieder deutlich größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), mit der die DB bereits im vergangenen September einen Tarifvertrag abgeschlossen hat.

Zwar enthält er einen Kündigungsschutz für alle Beschäftigten bis 2023, die vereinbarte Lohnsteigerung beläuft sich aber nur auf 1,5 Prozent und das erst ab Januar 2022. Seither spricht Weselsky von der EVG gerne als „Einkommens-Verringerungs-Gesellschaft“.

Zustimmung verweigert

Die GDL hatte die Zustimmung zu diesem Vertrag verweigert und sich zudem in den letzten Wochen dagegen gestemmt, dass bei der DB das 2015 beschlossene und umstrittene Tarifeinheitsgesetz umgesetzt wird.

Damit soll künftig bei der Bahn innerhalb einer Berufsgruppe nur noch ein Tarifvertrag gelten, und zwar von der Gewerkschaft, die in diesem Bereich die meisten Mitglieder hat. Die Deutsche Bahn weist die Forderungen der GDL als „als maßlos und unsolidarisch“ zurück. Statt einen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise zu leisten, habe die GDL ein „milliardenschweres Paket mit insgesamt 58 Forderungen“ vorgelegt, so der Konzern.

Hohe Kostensteigerung

Allein in dem Bereich, für den die GDL bislang Tarifverträge geschlossen hat, hätte dies Kostensteigerungen in Höhe von 46 Prozent zur Folge. Wie die Bahn auf diese Zahl kommt, legt sie allerdings nicht dar. DB-Personalvorstand Martin Seiler erklärte, die „horrenden Forderungen“ seien realitätsfern und würden die Verkehrswende bedrohen.

Weselsky hingegen kontert mit dem Vorwurf, dass der Bahnvorstand trotz einer Rekordverschuldung des Staatskonzerns für das Jahr 2020 Boni-Zahlungen für die 3500 Führungskräfte veranlasst hat.

„Damit wird erneut deutlich, dass nicht nur der amtierende Bahnvorstand, sondern der gesamte DB-Konzern auf den Prüfstand gestellt werden muss“, so Weselsky. Die Führungsriege „predigt den Eisenbahnern Wasser und badet selbst im Schampus.“

Quelle: Nordbayern.de

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