Pilotabschluss in der Metall- und Elektroindustrie: „Sonderzahlungen“ statt Lohnerhöhungen

In der vergangenen Nacht haben sich die IG Metall und die Vertreter:innen der Metall- und Elektroindustrie in NRW auf einen Pilotabschluss in der laufenden Tarifrunde geeinigt. Statt Lohnerhöhungen soll es für die Beschäftigten einen Corona-Bonus und jährliche Sonderzahlungen geben.

500 Euro Corona-Prämie netto gibt es im Juni für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie. Mehr werden die Beschäftigten von Deutschlands wichtigster Industrie für die Jahre 2020 und 2021 nicht sehen. Erst im Februar 2022 kommt es dann zur Auszahlung einer sogenannten „Sonderzahlung“ von 18,4% eines monatlichen Bruttoeinkommens. Ab 2023 soll diese jährliche Sonderzahlung dann 27,6% betragen.

Diese jährliche Sonderzahlung wird von den Tarifparteien als „Transformationsgeld“ bezeichnet und kann gemeinsam mit weiteren Teilen des Lohns – wie z.B. dem tariflichen Zusatzgeld (T-Zug) – durch die Industriebetriebe einbehalten werden und in Arbeitszeitverkürzung umgewandelt werden. Ob bzw. wie viele Arbeiter:innen überhaupt etwas von diesem Geld sehen werden, steht in den Sternen, ebenso ob es überhaupt zur zweiten Sonderzahlung 2023 kommt. Der Tarifvertrag gilt rückwirkend ab Januar diesen Jahres und hat eine Laufzeit von 21 Monaten bis Ende September 2022.

Diesen Tarifabschluss hat die IG Metall in Nordrhein-Westfalen in den frühen Morgenstunden mit dem Arbeitgeberverband Metall NRW ausgehandelt. Nun muss noch die Tarifkommission dem Verhandlungsergebnis zustimmen. Für die anderen Tarifgebiete werden die IG Metall und die Arbeitgeber:innen in den kommenden Tagen über die Übernahme des Pilotabschlusses aus Nordrhein-Westfalen verhandeln.

Auch wenn sich beide Seiten nach außen hin sehr zufrieden mit dem Tarifabschluss zeigen, konnte die IG Metall doch bei weitem nicht ihre Forderungen durchsetzen. Sie errechnet ein Tarifvolumen von 2,3%. Bei den Arbeiter:innen dürfte dieser Abschluss, zusammen mit der doppelten Nullrunde im letzten Jahr, zu deutlichen Reallohnverlusten führen, selbst wenn die „Sonderzahlungen“ ausgezahlt werden sollten.

„Inmitten einer der schwersten Krisen in der Geschichte der Bundesrepublik haben wir erreicht, dass die Krisenfolgen fair verteilt und nicht einseitig bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern abgeladen werden. Es ist uns gelungen, die Einkommen der Beschäftigten zu stabilisieren und Arbeitsplätze zu sichern.“ So bewertet Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, am Dienstagmorgen in Düsseldorf das Ergebnis.

Ebenso zufrieden zeig sich sein Gegenspieler. Der Präsident des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen, Arndt G. Kirchhoff., freut sich, dass die Unternehmen „wie schon im Jahr 2020 auch im Jahr 2021 keine Erhöhung der Tabellenentgelte verkraften müssen“.

Quelle: Perspektive Online

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