Polen: Streik bei Mineralwolle-Produzent Paroc zwingt Chefetage in die Knie

Rund eine Woche streikten die Arbeiter:innen beim Mineralwolle-Produzenten Paroc in Trzemeszno. Die Bilanz des größten polnischen Arbeitskampfes der letzten Jahre kann sich sehen lassen: Das Unternehmen knickte gegenüber allen Forderungen ein.

Seit dem Abend des 4. August befanden sich die rund 800 Arbeiter:innen des Paroc-Werkes in Trzemeszno im Streik. Grund waren die Arbeitsbedingungen des Mineralwolle-Konzerns mit Hauptsitz in Finnland.

 

Streikforderungen treffen auf weltweite Solidarität

So forderten die Arbeiter:innen höhere Löhne, Zulagen für langjährige Beschäftigte, bessere Praktikumsvergütungen und ein Ende der – als „Schrottverträge“ bezeichneten – befristeten Arbeitsverhältnisse. Es wurden also Forderungen für die verschiedenen Teile der Belegschaft aufgestellt.

Während des Streiks erreichte die Arbeiter:innen Solidarität aus der ganzen Welt, wie das Vorstandsmitglied des polnischen Gewerkschaftsbundes OPZZ Grzegorz Ilnicki gegenüber dem Fernsehsender TVN24 sagte. So seien 120.000 Zloty  (ca. 26.160 €) über einen Online-Fundraiser für die Streikenden gesammelt worden.

Streik endet mit Sieg

Der Streik endete am frühen Mittwochmorgen um 1:28 Uhr mit einem Sieg auf voller Linie: Die Chefetage des Unternehmens gab während der Verhandlungen in allen Punkten nach. So wird es für 58 Kolleg:innen sofort unbefristete Verträge geben, während das Unternehmen bis zum nächsten Jahr „Systemlösungen“ für ein Ende der „Schrottverträge“ garantiert.

Des Weiteren können 600 der 800 Beschäftigten von Gehaltserhöhungen profitieren. Auch die Praktikumsvergütung wurde auf bis zu 18 Prozent des Mindestlohns erhöht und wird jährlich automatisch steigen. Auch die nächsten Boni werden für einige Arbeiter:innen bis zu 600 Prozent höher sein als die letzten, wie Ilnicki erkklärte. Zusätzlich wurde ein Pool von 300.000 Zloty für Sonderzahlungen ausgehandelt.

Ein bemerkenswerter Erfolg

Die Arbeitsniederlegung bei Paroc ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Zunächst einmal handelte es sich hierbei um einen der größten Streiks der letzten Jahre in Polen.

Das liegt auch daran, dass den Arbeiter:innen in puncto Arbeitskampf viele Hindernisse in den Weg gelegt werden. Denn nur Gewerkschaften dürfen in Polen streiken. Um allerdings eine Betriebsgruppe einer Gewerkschaft zu gründen, braucht man mindestens 10 Arbeiter:innen. Jedoch sind 40 Prozent der polnischen Arbeiter:innen in Betrieben beschäftigt, in denen es nicht derart viele Kolleg:innen gibt. Zudem ist die polnische Arbeiter:innenbewegung durch eine gewisse Zerfaserung aufgrund dreier Gewerkschaftsverbände gelähmt, die ihrerseits außerdem an Mitgliederschwund und Bedeutungsverlust kranken.

In den letzten Jahren konnte die Regierung Arbeitskämpfe, die vor allem im öffentlichen Dienst stattfinden, deshalb meist einfach aussitzen. Mit der Solidarnosc-Gewerkschaft hat die Regierung der PiS zudem eine Stütze unter den Arbeiter:innen. Die fast einwöchige Arbeitsniederlegung passt nicht in dieses Bild.

„Polen kann von Trzemeszno in Sachen Konsequenz, Hartnäckigkeit und Kooperation lernen. Wo man Bindungen aufbaut, kann man sich besser im Kampf um das gemeinsame Wohl unterstützen“, kommentierte der Gewerkschaftsfunktionär Ilnicki die Ergebnisse des Streiks.

Quelle: Perspektive Online

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