Privatbanken gegen Verdi: Gewerkschaft will Streiks fortsetzen und den Druck erhöhen

Bei den Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Privatbanken rumpelt es gewaltig. Am Dienstag wurden die Verhandlungen überraschend unterbrochen. Nun will Verdi den Druck erhöhen.

Frankfurt – In den Tarifverhandlungen für die rund 140.000 Beschäftigten der privaten Banken ist auch nach einer weiteren Runde keine Einigung in Sicht. Beide Seiten warfen sich am Montag nach den Gesprächen mangelnde Kompromissbereitschaft vor. Der Abbruch durch die Arbeitgeber nach einer Stunde sei unvermittelt gekommen, erklärte Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck. Die Arbeitgeber hätten auch keine eigenen Vorschläge vorgelegt. Streiks würden nun in den kommenden Wochen fortgesetzt und verschärft.

Verdi hatte die dritte Verhandlungsrunde am 24. September abgebrochen und ein Angebot der Arbeitgeber abgelehnt. Dabei hatte Verdi auf die stark gestiegene Inflation in Deutschland verwiesen. Die Gespräche mit dem Deutschen Bankangestellten-Verband (DBV) waren am 13. Oktober fortgesetzt worden.

Commerzbank-Vorständin: „Völlig unrealistische Maximalforderungen“

Laut dem Arbeitgeberverband AGV baute Verdi zusätzliche unüberwindbare Hürden für eine Einigung auf. „Wer mehr als ein halbes Jahr lang auf völlig unrealistischen Maximalforderungen beharrt und diese jetzt sogar noch erheblich verschärft, entzieht weiteren Verhandlungen die Basis“, erklärte die AGV-Verhandlungsführerin, Commerzbank-Vorständin Sabine Schmittroth.

Verdi habe ihre ursprüngliche Forderung einer Gehaltsanhebung von 4,5 Prozent für zwölf Monate massiv verschärft, was zu einer Belastung des laufenden Kalenderjahres von 7,1 Prozent führen würde. Nun stelle sich die Frage, ob eine baldige Fortsetzung der Verhandlungen sinnvoll sei. Vieles spreche jetzt für eine längere Denkpause.

Verdi war unter anderem mit der Forderung einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie Vereinbarungen zur mobilen Arbeit in die Verhandlungen gezogen. Verdi habe jetzt einen Tarifvorschlag mit einer geänderten Struktur vorgelegt, sagte Verhandlungsführer Duscheck. Er sehe eine Laufzeit von 24 Monaten vor und beinhalte zwei Stufen.

Verdi-Verhandlungsführer: „Es gab eine faire Chance“

Gefordert werde eine Tariferhöhung um 3,5 Prozent zum 1. Januar 2022 und weiteren 2,5 Prozent zum 1. Januar 2023. Dazu kämen eine Ausgleichszahlung von 1500 Euro und zwei zusätzliche Urlaubstage. „Es gab eine faire Chance, eine Eskalation abzuwenden“, sagte Duscheck. „Wir werden jetzt in die Streikplanung gehen.“

Der Arbeitgeberverband empfiehlt seinen Mitgliedsunternehmen im Vorgriff auf einen künftigen Abschluss bis April 2022 eine Einmalzahlung von 500 Euro und für Auszubildende von 100 Euro.

Auch der DBV äußerte sich enttäuscht, dass die lange vorbereitete Runde so schnell abgebrochen wurde. Was auf dem Tisch gelegen habe, sei durchaus verhandlungsfähig gewesen.

Quelle: Frankfurter Rundschau

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