Die jungen und alten Leser:innen dieses Aufrufs werden sicherlich schnell feststellen, dass es schwierig ist, an dieser Stelle mit Optimismus in die Zukunft zu blicken. Zu schwierig und zu komplex erscheint die Lage auf der Welt, als dass wir in Frieden und Wohlstand leben könnten. Doch es stellt sich auch die Frage, ob es diesen Aufruf überhaupt geben würde, wenn wir der Meinung wären, dass wir uns der aktuellen Lage einfach ausliefern müssten.
Schauen wir uns die Wahlergebnisse an, haben wir das Gefühl, der Faschismus stehe vor der Tür. Schalten wir die Tagesschau ein, überkommt uns die Angst, morgen selbst in einen Krieg eingezogen zu werden. Blicken wir auf die Benzinpreise an der Tankstelle, überfällt uns die Ohnmacht, dass wir uns die Mieten bald nicht mehr leisten können. Das Gleiche gilt beim Blick auf den Lohnzettel und den Gedanken, dass doch gerade erst Tarifverhandlungen stattgefunden haben.
Wir haben die Schnauze voll!
Ständig sehen wir uns mit Krieg, Krise und Sozialabbau konfrontiert. Unser Nervenkostüm ist mittlerweile stark strapaziert. Medien, Politiker:innen und Kapitalist:innen setzen uns fast täglich unter Druck. Doch ein strapazierfähiges Nervenkostüm reicht für die kommenden Angriffe bei weitem nicht mehr aus, denn die Kapitalist:innen quetschen uns weiterhin jeden Cent aus der Tasche, um ihre Profite im Angesicht neuer Kriege abzusichern. Darum starten Kapital und Staat derzeit einen Großangriff auf unsere Klasse: Reallohnsenkungen durch magere Tarifabschlüsse und Sozialreformen, die uns ärmer machen. Gleichzeitig sollen wir mehr arbeiten. Und was machen wir? Wir sollten uns schon jetzt darauf vorbereiten.
Für uns als Betriebsaktivist:innen bedeutet das, dass wir eine noch akribischere und unversöhnlichere betriebliche Arbeit leisten müssen. Die Konzentration auf den bundesweiten Aufbau von Betriebsgruppen – egal wie klein oder groß die Betriebe sind – sowie die Schaffung eines Bewusstseins für die eigenen Kräfte sind notwendig. Wir müssen das Stellvertretertum hinter uns lassen – sei es durch Parteien im Parlament oder durch Gewerkschaften der Sozialpartnerschaft. Es gilt, sich auf unsere altbekannte Stärke zu besinnen: Wir, die Arbeiter:innen, können das Zahnrad zum Stillstand bringen.
Dabei reicht es jedoch nicht, den Sozialabbau und die Kriegsvorbereitungen lediglich aufzuhalten. Wir blicken optimistisch in eine sozialistische Zukunft – eine Gesellschaft ohne Krieg und Armut, in der wir Arbeiter:innen ohne Kapitalist:innen selbst entscheiden, was wir für unseren Wohlstand brauchen.
Für die kommenden Jahre soll das Wort „Streik“ deshalb nicht nur eine tarifpolitische Floskel sein, sondern eine politische Kampfansage für den Sozialismus. Diesen Streik gilt es zu organisieren und zu erkämpfen. Der internationale Tag der Arbeiter:innenklasse – der 1. Mai – ist der Startschuss.
Auf zu neuen Taten!





