Nein zu den Kürzungen in der Psychotherapie! Keine Sparmaßnahmen auf dem Rücken von Therapeut:innen und Patient:innen!

Die Situation von psychisch Erkrankten ist in Deutschland bekanntlich prekär. Lange Wartelisten und weite Wege müssen Patient:innen oftmals auch mit akuten Symptomen auf sich nehmen. Auch die Ausbildung von psychologischen Psychotherapeut:innen dauert in Deutschland besonders lang und ist sehr kostenintensiv mit bis zu 10.000 Euro, die man selbst zahlen muss. Anstatt diese Situation nun zu Verbessern, haben sich die zuständigen Stellen für das Gegenteil entschieden: Die Honorare von Therapeut:innen mit Kassensitz sollen nun pauschal um 4,5% gesenkt werden.

Kürzungen auf dem Rücken der Gesundheit

Vor wenigen Tagen hat der erweiterte Bewertungsausschuss, ein Gremium aus Vertreter:innen der Krankenkasse, des Kassenärzteverbandes und neutralen Mitgliedern aus der Politik beschlossen, dass diese Kürzungen bereits ab dem 1. April in Kraft treten sollen. Darunter leiden werden nicht nur die Therapeut:innen selbst sondern vor allem die Patient:innen.

Die Zahl der psychisch Erkrankten steigt in Deutschland kontinuierlich in den letzten Jahren. 2025 war mehr als jeder vierte Mensch in Deutschland (27,8 %) von einer psychischen Erkrankung betroffen. Davon blieben jedoch 80% unbehandelt. Diese Situation wird durch die neueste Entscheidung weiter verschärft.

Die Rolle von Patriarchat und Kapitalismus

Einerseits sind durch die Kürzungen besonders Frauen betroffen, welche die deutliche Mehrheit in der Psychotherapie ausmachen. Gleichzeitig treffen die Kürzungen auf Patientenseite vor allem Menschen aus der Arbeiter:innenklasse, da sie nur die Therapeut:innen der Gesetzlichen Krankenversicherungen betreffen. Privatpatient:innen bleiben davon erstmal unberührt.

Außerdem spielen Patriarchat und Kapitalismus schon bei der Entstehung psychischer Erkrankungen eine große Rolle und verschärfen so täglich die Versorgungsbedarfe. Frauen sind, unter andrem bedingt durch Mehrfachbelastungen, deutlich häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen als Männer. Gleichzeitig stehen bestimmte Lohnarbeitsbedingungen mit erhöhtem Risiko psychisch zu erkranken im Zusammenhang. Hohe Arbeitsbelastung und steigender Zeitdruck gelten allgemein als Risikofaktoren. So würden durch politische angestrebte Veränderungen wie die Abschaffung des 8h Tages die Behandlungsbedarf vermutlich noch weiter steigen, gleichzeitig werden Entscheidungen getroffen die die aktuelle Versorgung noch weiter verschlechtern.

Auch Jugendliche sind gerade wieder häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen. Das erste mal seit Corona steigen die Zahlen der psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Als Gründe dafür führt eine Studie vor allem Leistungsdruck, Armut und Mobbing an. Schon früh hinterlässt das kapitalistische System Spuren in der Psyche von jungen Menschen. Eine verschlechterte Versorgungslage wird auch diesen Zustand weiter verschärfen.

Kampf den Kürzungen in Zeiten von Krise und Aufrüstung

Dass dort gekürzt wird, wo es Arbeiter:innen und besonders Unterdrückte Teile der Klasse trifft, während für Militarisierung und Aufrüstung genug Geld da ist, konnten wir schon oft in den letzten Monaten sehen. Für die Bundeswehr ist massiv viel Geld da, während Frauenhäusern, Jugendclubs und nun auch den Psychotherapeut:innen die Mittel gestrichen werden. Einen besonders faden Beigeschmack bekommen die Kürzungen, wenn man sieht, dass die Gehälter der Krankenkassenvorstände, welche die Entscheidung maßgeblich mitgetragen haben 2025 um insgesamt 9 Millionen Euro gestiegen sind im Vergleich zum Vorjahr.

Die Kürzungen müssen im Kontext der gesamten Kürzungspolitik der letzten Monate betrachhtet werden. Es trifft nicht nur die Therapeut:innen, sondern auch einen großen Teil der Menschen in Deutschland! Lasst uns den Widerstand gegen die Kürzungen auf die Straßen und in die Betriebe tragen!