Reallohnverlust ohne Arbeitskampf: GDL lässt DB-Kolleg:innen alleine

In der Nacht vom 26. auf den 27. Februar beendeten die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Deutsche Bahn AG (DB) ihre aktuellen Tarifverhandlungen. Damit ist klar, der Abschluss steht. Arbeitskampfmaßnahmen oder gar Streik wird es nicht geben.

In den insgesamt zweimonatigen Verhandlungen, bzw. 14 Verhandlungstagen einigten sich GDL und DB auf folgende Eckpunkte: je 2,5% mehr Gehalt zum 01. August 2026 und 2027; Anpassung in der Entgeltstruktur, z.B. Einführung einer neuen 8. Entgeltstufe, nach 35 Jahren Berufserfahrung; 700 € Einmalzahlung; Kompromisse zur gemeinsamen Handhabung des Tarifeinheitsgesetz (TEG); 24 Monate Laufzeit.

Tarifeinheitsgesetz spielt Kolleg:innen untereinander aus

Während DB und GDL sich für Ihre „Einigung am Verhandlungstisch“ (Mario Reiß, GDL) feiern, können wir als Kolleg:innen nur nüchtern auf das Ergebnis schauen. Zwar sind die Erfolge zur Handhabung des TEG eine direkte Verbesserung in der Tarifanwendung für die Kolleg:innen, aber handelt es sich dabei um die reine Abwehr der Beschneidung gewerkschaftlicher Rechte. Die DB nutzt das Gesetz, um die tariffähigen Gewerkschaften in ihren Betrieben, GDL und Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) gegeneinander auszuspielen und die Belegschaft zu spalten. Seit Einführung des TEG im Juli 2015 sorgte es für die Beschneidung tariflicher Rechte von Kolleg:innen in Betrieben der DB, welche keine offizielle gewerkschaftliche Mehrheit haben, da nur das Tarifwerk der „Mehrheitsgewerkschaft“ Anwendung fand. Bis heute gibt es jedoch kein Verfahren diese Mehrheit festzustellen. Das führte z.B. dazu, dass die GDL-Kolleg:innen in „EVG Betrieben“ von ihren Tarifverhandlungen bisher nichts oder nur wenig hatten. Dieser Abwehrkampf wäre ohne den Eingriff seitens des Staates mit Verabschiedung des TEG gar nicht nötig gewesen und zeigt, dass Staat und Konzerne beim Klassenkampf von oben Hand in Hand arbeiten.

Die GDL hat sich den Zahn ziehen lassen

Bei den restlichen Ergebnissen bleibt die GDL hinter ihren Möglichkeiten zurück und verkennt ihre eigene Kampfkraft. Laut GDL stärkt der Abschluss den Kernbetrieb Eisenbahn und „hebt die materielle Grundlage zahlreicher Berufsgruppen auf ein neues Niveau“ . Klar ist, die 2,5% Gehaltserhöhung liegen derzeit nur geringfügig über der Inflationsrate von 2,1% im Januar 2026 und gilt aber für die kommenden 2 Jahre.  

Unklar ist hingegen auch noch wie die Anpassung der Entgeltstruktur aussieht, welche Kolleg:innen in den Genuss der 700€ Einmalzahlung kommen und inwiefern die neue 8. Entgeltstufe an die Betriebszugehörigkeit gekoppelt ist.

Gerade in Zeiten, in denen beim Tochterunternehmen der DB, der DB Cargo, wieder von massiven Stellenstreichungen gesprochen wird, Fachkräftemangel im Eisenbahnbereich seit Jahren gängiges Thema ist, die DB bei Schichtzulagen am unteren Ende steht und die Arbeitsbelastung tendenziell weiter zunimmt, bieten sich einige Ansatzpunkte stärkeren Druck auf die Geschäftsführung auszuüben. In der Vergangenheit haben wir Kolleg:innen bei der DB zudem unter Beweis gestellt, dass wir auch trotz persönlicher Einbußen und gesellschaftlicher Ächtung bereit sind unsere Forderungen durchzusetzen und Arbeitskämpfe erfolgreich zu führen.

Als fader Beigeschmack bleibt, dass sich hier ein falscher Frieden erkauft wurde. „Für uns war wichtig, dass wir am Ende eine Befriedung ohne Streiks hinkriegen“ äußert sich DB-Personalchef Seiler und er hat damit die Konzerninteressen ohne viel Reibung durchgesetzt bekommen. Mit der Laufzeit von 24 Monaten wurde zusätzlich noch eine dreimonatige Verhandlungsphase ausgehandelt. Somit gibt es eine Friedenspflicht bis zum 31. März 2028 und bis dahin verzichtet die GDL auf weitere Maßnahmen, sowie Nachbesserungen.

Logistik rückt ins Feld des Klassenkampfes

Was wir an diesen Tarifverhandlungen sehen, ist dass wirkliche materielle Verbesserungen für uns Beschäftigte dem Abwehrkampf ums TEG geopfert wurden, ohne wirklich alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Im Zuge der voranschreitenden Militarisierung und Aufrüstung im Zusammenhang mit der aktuellen Krise des Kapitals müssen wir solche Entwicklungen wachsam beobachten und dagegen kämpfen. Sowohl schwere Wirtschaftsgüter wie Eisenerz oder Kohle, sowie auch Kriegsmaterial werden vorrangig über die Schiene transportiert. Millionen von Arbeiter:innen pendeln täglich mit S-Bahn und Regio zur Arbeit. Die Eisenbahn ist eine der zentralen Adern mit denen dieser Staat am Leben gehalten wird und ohne die Kolleg:innen im operativen Bereich, ohne diesen Teil der Klasse, läuft nichts. Diese Macht spiegelt sich im aktuellen Tarifergebnis der GDL nicht wieder.

Als Betriebskampf stehen wir solidarisch an der Seite unserer Kolleg:innen bei der Eisenbahn. Die Angriffe auf die Klasse werden sich weiter zuspitzen und wir können, ob bei der Bahn oder in anderen Tarifkämpfen, ein Einknicken der etablierten Gewerkschaften sehen, sowohl bei der GDL, als auch den DGB-Gewerkschaften. Wenn es um die Verbesserung unserer Lebensbedingungen geht oder darum die Vorbereitungen eines neuen Krieges zu verhindern, müssen wir als Klasse zusammen kämpfen. Wir dürfen uns nicht auf „Nieten in Nadelstreifen“ verlassen.