Als ein Kollege gekündigt werden sollte, kündigte ich an, ebenfalls zu gehen. Plötzlich überlegte sich die Chefin ihre Entscheidung noch einmal.
Das war ungefähr 2014 oder 2015, als ich in einem Freizeitpark arbeitete. Kurz vor Ende der Saison hatte ich mich mit einem Kollegen angefreundet. Eines Tages rief er mich kurz vor Feierabend an: Er war bei einem Verstoß gegen die Arbeitszeitregeln erwischt worden und sollte deswegen noch einmal ins Büro. Er befürchtete, dass ihm gekündigt werden würde, und fragte mich, ob ich mich mit ihm solidarisch erklären würde.
Ich sagte ihm direkt zu: Wenn sie dich rausschmeißen, kündige ich auch.
Nach Feierabend warteten wir vor dem Büro. Als mein Kollege herauskam, bestätigte sich seine Befürchtung: Er war gekündigt worden.
Also ging ich selbst zur Chefin und erklärte ihr, dass ich ebenfalls gehen würde, wenn sie meinen Kollegen rausschmeiße.
Sie schaute mich völlig entgeistert an und fing an zu stammeln. Plötzlich wurde mein Kollege wieder ins Büro gerufen. Die Chefin versuchte, die Situation zu entschärfen und stellte ihre vorherige Entscheidung infrage.
Am Ende wurde mein Kollege nicht wie angekündigt entlassen. Stattdessen musste er praktisch nicht mehr arbeiten, bekam aber weiterhin sein Geld.
Solidarität wirkt
Meine Ankündigung, ebenfalls zu kündigen, hatte die Situation verändert. Die Chefin hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass ein weiterer Beschäftigter bereit wäre, wegen eines Kollegen zu gehen. Plötzlich stand nicht mehr nur ein einzelner Arbeiter gegen seine Vorgesetzte.
Wir haben uns danach ziemlich darüber amüsiert. Im Team wurde die Geschichte ebenfalls zum Thema.
Die Erfahrung zeigt: Wer sich mit seinen Kolleg solidarisiert, kann etwas bewegen. Was für die Chefin zunächst wie eine einfache Kündigung aussah, wurde plötzlich zum Problem. Denn wenn Beschäftigte zusammenhalten, können sie Entscheidungen ihrer Vorgesetzten infrage stellen.
Man muss nicht immer einen großen Streik organisieren, um Widerstand zu leisten. Manchmal beginnt er damit, dass man einem Kollegen den Rücken stärkt und gemeinsam Konsequenzen zieht.
Widerstand lohnt sich – weil wir gemeinsam mehr erreichen können als allein.




